



The week of fashion
CHIC, Intertextile Beijing, Yarn Expo, Première Vision Peking: Im März drehte sich in Peking alles rund um Mode. Auch internationale Textil- und Bek-leidungsfirmen sind auf China aufmerksam geworden und sehen hier ein großes Marktpotenzial. von Vicky Sung, Hongkong
Schließlich wurde mit den Messen eine Plattform geschaffen, auf der inländische und internationale Textil- und Bekleidungshersteller entlang der Produktionskette mit Käufern aus aller Welt in Interaktion treten können, wie Du Yuzhou, Präsident des chinesischen Textil- und Bekleidungsrates, erklärt. Die Plattform sei zudem Schaufenster für die Präsentation von Innovationen, Technologien und Markenentwicklung.
CHIC – Internationalität wächst
Mehr und mehr wächst die internationale Beteiligung an der CHIC, dem größten Mode-Event in China. In riesigen Länderpavillons präsentieren sich Modelabels aus Frankreich, Italien, Japan, Korea, Taiwan und Hongkong Die lokalen Marken spielen indessen ihren Heimvorteil aus und präsentieren ihre Mode an großen und kunstvoll dekorierten Ständen und das in gewohnter Umgebung. Um überfüllte Hallen und Stände zu vermeiden, wurden die Besucher vor dem Einlass zur Messe ausgewählt (!). Vor den Ständen bildeten sich zudem Warteschlangen in die sich einreihen musste, wer Einlass haben wollte. Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen lokalen und internationalen Marken war förmlich zu spüren und so herrschte auch eine Atmosphäre getreu dem Satz „Let a thou-sand flowers bloom”.
Intertextile – weltweit größte Stoffmesse
Die diesjährige 16. Intertextile, organisiert von der Messe Frankfurt Hongkong, ist inzwischen zur größten Stoffmesse der Welt avanciert. Obwohl die Messe in Peking im März kleiner ist als die Intertextile Shanghai im Oktober, stellt sie dennoch ein Barometer für die Stärke des heimischen Marktes dar. Die Atmosphäre der Show war deutlich euphorischer als im Vorjahr, wo die Weltwirtschaftskrise die Szenerie überschattete. Mit 1.124 Ausstellern konnte ein Anstieg von 12 % verzeichnet werden, wobei das inländische Wachstum das internationale mit 1,5 % überstieg. Hier wurde das große Vertrauen in den chinesischen Markt sowohl von Seiten der einheimischen als auch der internationalen Firmen deutlich. Ausländische Aussteller, die ihre hochwertigsten Artikel für den chinesischen Markt zeigten, waren mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Im Trend bei den Stoffen liegen neben dem modischen Aspekt vor allem Funktion, Technologie und Innovation. Wichtig dabei ist Komfort sowie die Betrachtung hinsichtlich der Ökologie und Nachhaltigkeit. Die drei Hallen, die den internationalen Ausstellern zugeteilt wurden, beherbergten sechs Länderpavillons: am stärksten vertreten war Italien mit 41 Ausstellern, gefolgt von Korea, Taiwan, Deutschland, Japan und Pakistan. Im Gespräch betonte Antonia Laspina von der italienischen Handelskommission: „Bei italienischer Ware geht es um Qualität, nicht um Quantität. Wir haben in Italien zwar keine eigene Baumwolle, Wolle, Seide oder Kaschmir, jedoch wollen Italiener in dem was sie tun die Besten sein. Wenn man sich gegenüber anderen nicht durch Quantität behaupten kann, muss man die beste Qualität bieten, um zu überleben.” Neben dem italienischen Pavillon bot die Agentur Vitality die Kollektionen weiterer neun italienischer Unternehmen an – auf den gut beaufsichtigten Stand kam man nur auf Einladung und nach Vereinbarung eines Termins. „Vitality ist ein Netzwerk von Personen, die exzellente Verbindungen zu den Top Schlüsselmarken in China unterhalten. Chinesische Kunden schätzen und kaufen unsere hochqualitativen Stoffe, die es hier sonst nicht gibt. China bietet für uns noch viel Raum zur Expansion”, sagt Dr. Marco Schiavone von Lanificio Luigi Colombo SpA. „Die besten chinesischen Produkte sind immer noch nicht so gut wie die aus Italien. China hat zwar das Potenzial, das Beste zu produzieren, aber an dem Punkt sind sie noch nicht angelangt. Deshalb gibt es noch gewissen Raum nach oben für erstklassige italienische Stoffproduzenten. Vitality hat uns die Tür geöffnet, sodass wir nun an die führenden chinesischen Marken und Labels verkaufen können, bei denen wir zuvor Schwierigkeiten hatten”, erklärt Federico Veronese von E. Thomas.
„Wir haben nicht viele Kunden in China, aber die, die wir haben, sind erstklassig. Obwohl China mittlerweile selbst aus-gezeichnete Stoffe herstellt, bestechen wir durch Innovation, Kreativität, Service und niedrige Stückzahlen.“, sagt Danile Sanzeni von 1881 Lanifcio Cerruti. „Der chinesische Markt ist für uns wichtiger als der japanische und koreanische geworden, wir verkaufen nun unsere Spitzenprodukte nach China und das in großen Mengen”, fügt er hinzu. Aus Deutschland kamen zehn Unternehmen nach Peking. Garnproduzent Gütermann beobachtete dabei eine deutlich belebtere Messe als letztes Jahr. „Der inländische Markt für unsere Produkte wächst stark”, meint Gregory Gütermann, der nun in Shanghai positioniert ist. „Viele regionale Bekleidungsfirmen fragen unsere Garne nach. Das liegt daran, dass sie erstklassige Stoffe kaufen und daher auch mit Qualitätsgarnen nähen möchten.” Mit einer Niederlassung in Deutschland und einer in Indien liegt nun die Überlegung nahe, auch einen Betrieb in China zu eröffnen. Erba Far East vertritt diverse deutsche Unternehmen, die Artikel bieten, die die Chinesen noch nicht herstellen können. „In Deutschland hatte Kreativität stets einen hohen Stellenwert, jetzt liegen die Stärken allerdings vielmehr in der Veredlung, Tragegefühl und Form”, so Dr. Hartmut Kunstmann von Erba. So sei Samt von Niedecks nach wie vor ungeschlagen. De Ball zeigte Stoffe für Casual- und Funktionsbekleidung und KBC bot eine Vielzahl an modisch bedruckten Stoffen (Digital-, Transfer- sowie Siebdruck) im westlichen Stil, für die sich nach wie vor viele einheimische Käufer begeistern.
Korea, als zweitgrößte Gruppe ausländischer Aussteller, ist bekannt für seine kreativ veredelten Chemiefaserstoffe. Viele Aussteller präsentierten Bekleidung, die aus den Stoffen hergestellt wurden, die sie bereits für den realen Markt produzieren. Scenic zeigte beispielsweise Mode von Michaela, einer sowohl in Korea als auch in China bekannten Modemarke. „Noch vor fünf Jahren konnten sich Chinesen das nicht leisten, aber nun sind viele hier sehr modebewusst”, so Mr. Chang. „Chinas Wachstum ist beeindruckend und das Wachstum des chinesischen Marktes ebenso. Die Regierung ergreift die Initiative, um die Bedürfnisse der Märkte zu erfüllen. Als die Finanzkrise ihren Gipfel erreichte, griff die Regierung dem inländischen Markt unter die Arme und half ihm, zu expandieren. Dadurch konnte die Wirtschaft vor einem Absturz bewahrt werden”, sagt Huseyin Kavrak von Yunsa Yunlu Sanayi Ve Ticaret aus der Türkei. Um den chinesischen Geschmack zu treffen, zeigte sein Unternehmen Stoffe aus Seide und Wolle im Denimlook sowie kühlende, knitterfreie Qualitäten aus Leinen und Wolle. Ding-Zing aus Taiwan, ein technisch und funktional sehr starkes Unternehmen, bietet Zweikomponentenfolien mit unterschiedlichen Schmelzpunkten für Logos z. B. auf T-Shirts, die auch bei vielen Wäschen gut auf dem Stoff haften und dehnbar seien, so das Unternehmen. Zudem werden Schaum und elastische Stoffe für Neoprenanzüge, TPU Leder mit Schaumzusatz für gute Stoßdämpfung sowie digitale Drucke für Folien angeboten. New Wide, ebenfalls aus Taiwan, stellt multifunktionale Stoffe mit Berücksichtigung ökologischer Aspekte her. Das Produkt Flycool kühlt z. B. den Körper, Cooltran ist eine Methode des kalten Transferdrucks für eine ökologische und kohlenstoffarme Produktion. In Kooperation mit DuPonts Sorona, wird zudem ein gestrickter Stoff angeboten, der außen aus Sorona und innen aus Flycool besteht und bereits an alle führenden internationalen Sportmarken geliefert wird. T-Shirts mit Sorona/Flycool werden so auch derzeit auf der Expo 2010 in Shanghai ausgestellt. Last but not least zeigte das japanische Unternehmen Yagi & Co Ltd Strickware aus organischer und recycelter Baumwolle und Kurabo Shanghai präsentierte sowohl ökologischen Baumwoll-Jeansstoff als auch Eco-wash Wolle.
Fashion Week in Peking
Die jüngste Modewoche in Peking Ende März begann mit CHIC (China International Clothing & Accessories Fair), dem größten Mode-Event in China auf dem von Männer- über Frauenmode, Kinderbekleidung, Jeans- und Freizeitmode bis zu Leder und Pelz nahezu alles gezeigt wird, was in der Modewelt zu haben ist. Zwei Tage später öffnete die Intertextile Beijing (Stoffmesse) ihre Türen und am darauffolgenden Tag die Yarn Expo (Fasern und Garne). Parallel dazu ging die Première Vision China in einem nahe gelegenen Hotel über die Bühne.
