Meisenbach Gmbh Verlag
 
textile network
 
Deutsch
English
 
textile network
7-8/2010 Juli / August
 
 
 Lagerung von Saatbaumwolle in Indien<br>
Lagerung von Saatbaumwolle in Indien
Photo: Bremer Baumwollbörse
 Der Präsident der Bremer Baumwollbörse, Wolfgang Vogt-Jordan, begrüßte die Teilnehmer vor historischer Kulisse, der Oberen Halle des Bremer Rathauses<br>
Der Präsident der Bremer Baumwollbörse, Wolfgang Vogt-Jordan, begrüßte die Teilnehmer vor historischer Kulisse, der Oberen Halle des Bremer Rathauses
Photo: Bremer Baumwollbörse
 Ins Gespräch vertieft: Dr. Bill M. Norman (Bildmitte), Vize-Präsident National Cotton Council of America <br>
Ins Gespräch vertieft: Dr. Bill M. Norman (Bildmitte), Vize-Präsident National Cotton Council of America
Photo: Bremer Baumwollbörse
 Baumwollblüte<br>
Baumwollblüte
Photo: Bremer Baumwollbörse
 Baumwolle<br>
Baumwolle
Photo: C&A
30. International Cotton Conference

Quo vadis Baumwolle?

left image
PDF
pdf
right image
left image
Zurück
right image


Alle zwei Jahre steht in Bremen die Baumwolle im Focus. Die diesjährige internationale Baumwolltagung der Bremer Baumwollbörse und des Bremer Faserinstituts jährte sich zum dreißigsten Mal. Diskutiert wurde insbesondere über die Zukunft der Baumwolle.

Knapp 500 internationale Experten aus der gesamten Wertschöpfungskette trafen sich Ende März im historischen Rathaus von Bremen, um gemeinsam über die weltweite Baumwollentwicklung – von der Saat bis zur Faserprüfung – zu diskutieren. Und allen Teilnehmern wurde mehr als bewusst, dass infolge einer geringeren Baumwollproduktion und wieder zunehmender Verarbeitung auch für die kommende Saison mit einer weiterhin abnehmenden Tendenz der Bestände zu rechnen ist. So liegt die weltweite Baumwollernte 2009/10 aufgrund niedrigerer Erträge mit rund 22 Millionen Tonnen 5 % unter dem Volumen der Vorsaison. China führt mit einer Ernte von rund 6,8 Millionen Tonnen die Liste der größten Baumwollerzeuger unverändert an, gefolgt von Indien (5,1 Millionen Tonnen) und den USA (2,7 Mio. Tonnen). Die drei mit Abstand an der Spitze liegenden Länder machen etwa zwei Drittel der gesamten Baumwollerzeugung weltweit aus. Pakistan und Brasilien fuhren 2,1 bzw. 1,2 Millionen Tonnen ein.


Geringere Anbaufläche

In den USA, wo sich die Baumwollerzeugung in den letzten acht Jahren auf hohem Niveau zwischen rund vier und fünf Millionen Tonnen bewegte, nahm die Anbaufläche für die Naturfaser in der Saison 2008/09 schlagartig ab, so dass die Ernte auf 2,8 Millionen Tonnen einbrach (Minus 35 Prozent im Vergleich zur Vorsaison). Vor dem Hintergrund der Biodieseldiskussion und veränderter Subventionspolitik hatten sich die US-Farmer für attraktivere Anbauprodukte entschieden. Die Preise konkurrierender Ernten waren interessanter, so dass weniger bzw. keine Baumwolle angebaut wurde. Auch in der jetzt aktuellen Saison 2009/10 wird sich die Erntemenge mit rund 2,7 Millionen Tonnen voraussichtlich nicht wesentlich verändern. Der Baumwollgigant China nahm die Produktion um 1,2 Millionen Tonnen auf 6,8 Millionen zurück, eine signifikante Veränderung um 15 Prozent.


Erholung in Sicht

Die weltweite Baumwollverarbeitung in der Saison 2009/10 wird sich voraussichtlich wieder etwas erholen. Mit fast 24 Millionen Tonnen in 2009/10 und einer Aussicht auf 24,5 Millionen Tonnen für die Saison 2010/11 spiegelt der Baumwolleinsatz positivere wirtschaftliche Entwicklungen wider. Die drei großen Baumwollverarbeiter sind die Volksrepublik China, Indien und Pakistan. China allein konsumiert bereits fast vierzig Prozent. Zählt man Indien und Pakistan hinzu, gehen hier zwei Drittel der weltweit verarbeiteten Baumwolle in den Verbrauch. Die Prognose zu den Weltbaumwollbeständen liegt für die laufende Saison bei 10,5 Millionen Tonnen. Im Saisonvergleich zu 2008/09 nahmen die Vorräte um rund 14 Prozent ab.
Beim Baumwollpreis gab es im Februar 2010 einen Sprung nach oben: Im Zeitraum vom 1. bis 26. Februar kletterte der Cotlook A Index von 75,35 auf 85,55 am 26. Februar. Dieser starke Anstieg um 10 Cent repräsentiert fast die Hälfte des gesamten Anstiegs seit Saisonbeginn 2009/10. Es gibt in der Bewegung Ähnlichkeiten mit der Entwicklung von Mitte Februar bis Anfang März 2008, also kurz vor den Turbulenzen an der New Yorker Rohstoffbörse ICE. Nichtsdestotrotz sind die Fundamentaldaten jetzt völlig andere: 2007/08 stagnierte der Baumwollverbrauch, die Erzeugung bewegte sich auf gebremsten Niveau und die Bestände gingen marginal zurück. Die laufende Saison hingegen ist gekennzeichnet von einer reduzierten Baumwollerzeugung und einer Erholung im Spinnereiverbrauch, die die Baumwoll-Lager beträchtlich reduzieren dürften und den Baumwollpreis für einige Zeit hochhalten.


Baumwolle wird rar

Der Preis von Baumwolle ist in den vergangenen Monaten rapide gestiegen. Betrug er Ende 2009 noch etwa EUR 1,00 pro Kilogramm, lag er am 12. Mai 2010 bereits bei EUR 1,68 pro Kilogramm und am 14. Juni 2010 bei 1,82 EUR pro Kilogramm. Da Baumwolle in der US-Währung gehandelt wird, hängen die zu zahlenden Preise zudem vom tagesaktuellen Wechselkurs ab. Für einen starken Euro bekommt ein Einkäufer viel, für einen schwachen Euro weniger Faserballen.
Hinzu kommt, dass der Rohstoff Baumwolle am Weltmarkt eine zusätzliche künstliche Verknappung erfährt, da das Hauptanbauland Indien, wo mehr als ein Drittel der weltweit verfügbaren Baumwolle ihren Ursprung hat, jüngst ein Exportverbot verhängt hat. Pakistan belegt derweil seine Faserausfuhren mit einem Exportzoll zum Schutz der Versorgung der heimischen Industrie. Baumwolle wird also rar. Dieser Mangel wirkt sich inzwischen massiv auf die westliche Textilindustrie aus. Die Faserbeschaffung ist für die Spinnereien, der Rohgewebeeinkauf für die Veredlungsbetriebe problematisch geworden. Der Preis für Baumwolle befindet sich auf einem Höhenflug. Lieferzeiten werden länger.



 
 
Kommentar schreiben
 
Name:*
 
E-Mail:*
(Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht)
 
Kommentar:*
 
 
Absenden
 
 
© 2012 MEISENBACH GMBH - VERLAG