



Litespeed gewinnt Preis
Für sein System „litespeed” wurde Groz-Beckert Ende April mit dem 3. Platz beim Kyocera-Umweltpreis ausgezeichnet. Die Nadeln für Hochleistungs-Rundstrickmaschinen gewährleisten weniger Energieverbrauch und CO2-Emissionen.
Seitens der breiten Öffentlichkeit wird die Textilwirtschaft in Bezug auf ihre Ökobilanz meist kritisch begutachtet. Die erste Assoziation sind häufig Produktionsstätten für Massenware in Asien. Es gibt jedoch auch ganz andere Beispiele: Unternehmen und Produktionsprozesse, die sich dem Gedanken der Nachhaltigkeit nicht verschließen, sondern vielmehr eine Vorreiterrolle einnehmen. Genau an diesem Punkt setzt Groz-Beckert an und übernimmt Verantwortung für die umweltgerechte Fertigung und Funktionalität seiner Produkte. Neben einer kontinuierlichen Produktivitätssteigerung steht zunehmend die Einsparung von Energie und weiteren Ressourcen im Vordergrund. Ein prominentes Beispiel ist dabei der Strickprozess mitsamt seiner Potenziale. Bereits 1994 wurden bei Groz-Beckert Bestrebungen vorangetrieben, die vorherrschenden Mäander-Niederstegnadeln zu optimieren. Es galt, die stetig steigende Energieaufnahme von Rundstrickmaschinen zu begrenzen. Für ein stabiles Gesamtsystem war zu diesem Zeitpunkt die Temperatur-Obergrenze erreicht, so dass weitere Leistungssteigerungen nicht möglich waren.
Dies war gleichbedeutend mit dem Start der ersten Entwicklungsphase der litespeed-Nadel – als Innovation für Hochleistungs-Rundstrickmaschinen. Die zentralen Erkenntnisse dabei waren, dass geringeres Nadelgewicht und reduzierte Reibung die Leistung und insbesondere den Energieverbrauch der Rundstrickmaschine merklich verbessern können, wobei der Reibung ein deutlich größerer Einfluss zukommt.
Kontinuierliche Weiterentwicklung
Nach Reduzierung der Schafthöhe und -dicke, Anpassung der Gesamtgeometrie des Schafts sowie intensiven Modifikationen und Validierungen konnten umfangreiche Erkenntnisse in Bezug auf den Einfluss der Schaftgeometrie auf die Laufeigenschaften gewonnen werden. Ein validierter Laborprüfstand konnte genutzt werden und die neu entstandene Nadeltype wurde unter EP 0906 980 B1 im August 1998 patentiert. Ein Jahr darauf startete die weitere Optimierung bis zur Serienreife. Mithilfe fundierter Analysen und Feldversuche wurden die letzten Effizienzpotenziale ausgeschöpft. Parallel konnte ein serienreifer Fertigungsprozess etabliert werden.
Beeindruckender Mehrwert
Die Markteinführung der litespeed-Nadeln für Hochleistungs-Rundstrickmaschinen startete in 2004 und läuft seitdem sehr erfolgreich. Generell deckt das Verfahren des Großrundstrickens rund ein Fünftel der Fertigung aller weltweiten Textilien ab. Neben Bekleidung umfasst dies vermehrt auch technische Anwendungen, etwa in der Automobilindustrie oder in der Medizintechnik.
Dank jahrelanger Forschung und Entwicklung und unnachgiebiger Detailoptimierungen zeichnet sich die litespeed-Nadel nun durch ihre spezielle, hoch entwickelte Nadelgeometrie aus. Auf Basis einer gegenüber Standardnadeln partiell reduzierten Nadelschaftdicke überzeugt sie mit geringem Gewicht und einer verminderten Reibung im Nadelkanal. Dadurch ist weniger Energie für die Nadelbewegung nötig. An der Strickmaschine äußert sich das wie folgt: bis zu 20 % geringere Temperatur und weniger Energieverbrauch, reduzierter Ölbedarf und verminderte Ölvernebelung. Der Verschleiß am Nadelfuß und an den Schlossteilen verringert sich, zudem wird das Nadelöl besser verteilt. Nicht zuletzt werden durch erhöhte Drehzahlen deutliche Leistungssteigerungen und wesentlich geringere Emissionen im Vergleich zu Standardnadeln erzielt.
Der positive Umwelteffekt konnte in diversen Tests eindrucksvoll belegt werden. Wären alle Hochleistungs-Rundstrickmaschinen weltweit mit litespeed-Nadeln bestückt, hätte das eine jährliche CO2-Reduzierung von über 457 Millionen Tonnen zur Folge.
Weitere Untersuchungen – sowohl im Groz-Beckert-Technikum als auch im Rahmen des AiF- Forschungsvorhabens 13765N „Grundlagenuntersuchungen zur Beschreibung der wechselseitigen Einflüsse von Avivagen und Nadelölen auf die Kontamination von Strickware aus unterschiedlichen Faserstoffen” unter der Leitung des ITV Denkendorf – machten einen weiteren Vorteil transparent. Es konnte nachgewiesen werden, dass durch den Einsatz der litespeed-Nadeln weniger Nadelöl in das Gestrick eingetragen wurde als bei konventionellen Nadeln. Infolgedessen treten bei der nachfolgenden Veredlung geringere Belastungen des Abwassers durch Nadelölkontamination des zu waschenden Strickstoffes auf.
„Die Auszeichnung ist für uns auch Verpflichtung”
Groz-Beckert übernimmt ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Verantwortung in vorbildlicher Art und Weise. Die große Bedeutung und kontinuierliche Entwicklung des weltweit präsenten Zubehörlieferanten für den Textilmaschinenbau und die Textilindustrie machte Dr. Thomas Kühl, Mitglied der Geschäftsführung der Groz-Beckert KG und unter anderem verantwortlich für die Sparten Sewing und Nonwovens, in seiner Dankesrede bei der Preisverleihung im World Conference Center des ehemaligen Deutschen Bundestags Bonn deutlich: „Begonnen hat das Unternehmen mit der Herstellung von Strick- und Wirkmaschinennadeln. Heute bildet das Produktportfolio die Vielfalt der textilen Welt ab. Mit mehr als 70.000 Produkttypen unterstützen wir alle textilen Herstellungsverfahren und fokussieren im Zusammenspiel mit dem Maschinenbau vermehrt ganze Systeme. Engagement im Sinne der Nachhaltigkeit geht damit einher – und gewinnt unternehmensweit zunehmend an Stellenwert. Für Groz-Beckert bedeutet die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung sowohl eine Anerkennung für bestehende Leistungen als auch eine Verpflichtung für weitere Aktivitäten zur Ressourceneinsparung und zur Schonung der Umwelt“.
