

Das Kleid blinkt
So sieht sie aus, die nächste Generation tragbarer Elektronik: Hunderte kleiner LEDs, integriert in ein aufwändiges Stickereidesign lassen das „CO2-Kleid“ von Diffus (DK) erleuchten. von Iris Schlomski
Mit Hilfe von speziell für diesen Einsatzzweck entwickelten innovativen leitfähigen Garnen, ist es dazu dem Schweizer Traditionsunternehmen Forster Rohner gelungen, Stickereien zu erzeugen, die nicht nur optisch ansprechend sondern auch funktional sind, ohne dabei ihren textilen Charakter zu verlieren. Die „weichen Schaltkreise“ sind ein Meilenstein in der Integration von elektronischer Funktionalität in Textilien und ermöglichen die Verschmelzung von Mode und Technologie. Die verwendeten, leitfähigen Garne wurden von der Empa St. Gallen (CH) entwickelt, die auch ein Patent auf das verwendete spezielle Faserbeschichtungsverfahren inne hat. Das Garn wird damit sehr dünn beschichtet und metallisiert. Die Rechte an dem Patent hat die Empa inzwischen an die Tersuisse Multifils SA in Emmenbrücke übertragen – und die Pilotanlage gleich mitgeliefert.
Stickgarn ersetzt Kabel
Bei dem CO2-Kleid „regelt“ die Stickerei dank der verwendeten leitfähigen Garne die Kommunikation, die Steuerung und die Stromversorgung. Im Gegensatz zu anderen Intelligenten Textilien werden somit keine Kabel benötigt, da die Stickerei die mikroelektronischen Komponenten, mit den LEDs verbindet. Sowohl die LEDs als auch die Mikrokontroller (CO2-Sensoren) sind in das Stickereidesign integriert und rein textil verbunden – also nicht geklebt oder gelötet, sondern aufgestickt bzw. aufgenäht. Nun lässt sich natürlich vortrefflich darüber streiten, ob es Sinn macht, die CO2-Konzentration in Räumen anhand eines Kleides „sichtbar“ werden zu lassen. Doch darum geht es letztendlich nicht – wenngleich das Kleid anlässlich der Weltklimakonferenz in Kopenhagen als „modisches Statement“ initiiert wurde. Vielmehr geht es um das Bewusst machen was heute schon machbar ist: ein ansehnliches Kleidungsstück, in das gewünschte Funktionalitäten mit gestickten Sensoren, gestickten Leitungsführungen oder sogar mit gestickten Antennen (zur Datenübertragung) integriert sind, ohne den Tragekomfort zu beeinträchtigen.
Die Umsetzung
Das multinationale, interdisziplinäre Team aus Interaction Designern, Modedesignern, Stickerei und Elektroingenieuren benötigte trotz enormer Herausforderung „nur“ knapp drei Monate zur Realisierung. „Dies vor allem auch dank der großen Erfahrung im Umgang mit textiler Elektronik und Stickerei bei Forster Rohner“, so Jan Zimmermann, Project Manager Technical Textiles bei der Forster Rohner AG. Als die größte Herausforderung bezeichnet er das gesamte Puzzle im Gesamtkontext zusammenzufügen, also die Ästhetischen mit den funktionalen Aspekten in Einklang zu bringen, wobei ungewohnte Regeln befolgt werden müssen, damit die gewünschte Funktionalität erhalten bleibt, etwa wenn es darum geht elektronische Kurzschlüsse zu vermeiden. Ab August ist das CO2-Kleid übrigens in Shanghai auf der Expo 2010 im Dänischen Pavillon zu sehen. Weitere Inspirationen zum Thema tragbare Elektronik unter: www.talk2myshirt.com/blog/
